Portrait: Zionskirche Bielefeld

Zionskirche

Zionskirche, Foto: Martin Eickhoff

Von außen bescheiden sollte sie sein und „recht einfach, wie es armen Leuten zusteht“: Das war die Vorgabe des damaligen Leiters der „Heil- und Pflegeanstalt für Epileptische“, Pastor Friedrich v. Bodelschwingh, für den Bau einer Kirche gewesen, und so steht die Zionskirche Bethel im Bielefelder Stadtteil Gadderbaum mit ihrem dunklem Backstein, dem unscheinbaren Dachreiter und den niedrigen Glockentürmen wenngleich auf einer Anhöhe, dem „Zionsberg“ gelegen, doch unauffällig, geradezu versteckt an ihrem Ort. Viele Besucher nehmen sie erst wahr, wenn sie direkt vor ihr stehen und sind umso erstaunter, wenn sie die Kirche betreten. Es eröffnet sich ihnen ein Raum mit einer gleichzeitig feierlichen und freundlichen Atmosphäre, der spürbar auf einer ausgeprägten Theologie fußt, die er aber unaufdringlich Gestalt werden lässt.

Am 1. Advent 1884 eingeweiht ist die Zionskirche bis heute das geistliche Zentrum der v.-Bodelschwinghschen Stiftungen. Hier werden regelmäßig sonntags und werktags Gottesdienste gefeiert, initiiert von der evangelischen Anstaltskirchengemeinde und unterschiedlichen Bereichen der v.-Bodelschwingschen Stiftungen Bethel. Die Zionskirche war auch immer ein Ort der evangelischen Kirchenmusik, und das mit Tradition: Kantor Adalbert Schütz (1912-1993) prägte über Jahrzehnte die Kirchenmusik weit über die Grenzen der Zionsgemeinde hinaus.

An fast jedem Wochenende in der Saison von Oktober bis Mai finden in der Zionskirche Konzerte statt, in der Regel sonntags um 17:00 Uhr, und viele davon werden mit Kräften aus den eigenen Reihen bestritten. Die Chöre der Kantorei Bethel bedienen ein weites Spektrum, von Musik für Chor a cappella, für Chor und Orgel, von kleinen solistischen Formaten bis hin zu Oratorien mit Solisten und Orchester, und das nicht nur in Konzerten, sondern auch – und das ist ein wichtiger Schwerpunkt der Arbeit – regelmäßig in den Gottesdiensten.

Neben Kammermusik-Konzerten (bevorzugt mit Ensembles und Musikern aus der Region Ostwestfalen-Lippe) bilden die Orgelkonzerte einen wichtigen Bestandteil der Konzertreihe. Dafür steht in der Zionskirche ein hervorragendes Instrument zur Verfügung.

Die erste Orgel in der Zionskirche wurde 1886 von Ernst Klaßmeier aus Lemgo gebaut und gab – infolge der Schäden, die die Zionskirche im Zweiten Weltkrieg erlitten hatte – mitten in einem Gottesdienst ihren Geist auf. Das Nachfolge-Instrument (1956 von Paul Ott errichtet) fand seinen Platz auf der rechten Seitenempore, und diese Position – gegenüber der Kanzel und im Angesicht der Gemeinde – sollte den Stellenwert und das Selbstbewusstsein der Kirchenmusik unter Kantor Adalbert Schütz verdeutlichen. Im Rahmen der Renovierung der Kirche erhielt die Firma Karl Schuke (Berlin) den Auftrag über eine neue Orgel, die am Sonntag Cantate 1999 ihrer Bestimmung übergeben wurde, nun wieder auf der Westempore, wo auch die erste Orgel gestanden hatte.

Die akustischen Gegebenheiten des Raumes sind für Musik nicht unproblematisch, denn die großen Emporen sowie die Holzdecke verhindern einen allzu langen Nachhall. Das begünstigt allerdings die Klarheit und Verständlichkeit der aufgeführten Musik, stellt damit aber besondere Anforderungen an die Ausführenden und eben auch an die Orgel.

Und mit diesen Anforderungen kommt die Schuke-Orgel äußerst gut zurecht: Die Intonation ist auf einen homogenen, runden Gesamtklang ausgelegt, ohne dabei auf eine charakteristische Zeichnung der Einzelregister verzichten zu müssen. Ein großes, kräftiges Schwellwerk mit der entsprechenden Zungenbatterie ermöglicht die angemessene Darstellung der französisch-symphonischen Orgelliteratur von César Franck bis zu Olivier Messiaen, und Hauptwerk und Positiv verfügen über Register, die eher auf die Darstellung von Musik des Barock ausgerichtet sind. Und doch ist diese Orgel alles andere als ein Kompromissinstrument: Sie vereint vielmehr deutsche und französische Einflüsse zu einer gelungene Symbiose, und alles das auf einem guten 16’-Fundament in den Manualen bzw. im Pedal auf 32’-Basis. Eine Winddrossel erlaubt zudem das Spiel mit variablem Orgelwind, ein unerlässliches Element für die angemessene Aufführung zeitgenössischer Orgelmusik.

Christof Pülsch spielt als cantor loci regelmäßig Konzerte in der Reihe ORGELMUSIK IN ZION, lädt dazu aber auch Gäste aus dem In- und Ausland ein. Ein besonderes Anliegen ist es dabei, dass das Orgelrepertoire ab dem 18. Jahrhundert bis in die heutige Zeit in seiner ganzen Breite ausgeschöpft wird und nicht nur gängige Klassiker zum Zuge kommen. Und dazu gehört auch, dass besonders die Musik der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts sowie die zeitgenössische Musik einen festen Platz in den Konzerten in der Zionskirche haben. Zu den Gästen an der Orgel gehörten in den vergangen Jahren international angesehene Organisten wie Joris Verdin, Johannes Geffert, Holger Gehring und Dominik Susteck. Ein über die Jahre gewachsener fester Stamm an Besuchern aus Bielefeld und OWL weiß dieses Angebot sehr zu schätzen.